Frauen im Polizeidienst Hessen – ein Jubiläum

01.11.2021

 

Elke Liebermann-Weber ist eine Frau der ersten Stunde bei der Polizei Hessen. Die 60-Jährige feiert ihr 40-jähriges Berufsjubiläum und blickt auf spannende Zeiten zurück.

Der Polizeidienst des Landes Hessen blieb bis 1981 eine reine Männerdomäne. Frauen in Uniform fand man bis dahin in Hessen nicht. Letztlich war das Bild geprägt von der Hausfrauenehe der Nachkriegsjahre. Frauen durften kein eigenes Konto führen und der Mann musste den Arbeitsvertrag mitunterschreiben.

Erst 1975 machte eine Gesetzesänderung möglich, dass Frauen sich frei für die Aufnahme einer Arbeit bzw. eine konkrete Stelle entscheiden konnten. Da wirkt es nahezu visionär, dass man sich in Hessen mit dem Gedanken trug, Frauen in den Polizeidienst einzustellen.

Im Oktober 1981 startete das Pilotprojekt. Als Frau der ersten Stunde ist „Fräulein Liebermann“ dabei.

Für die Mittelhessin war von klein auf klar, dass sie in den Polizeidienst möchte. Auch ihr Vater, ihr Groß- und Urgroßvater waren Schutzleute. So wollte sie die Familientradition fortsetzen, lange bevor die Politik dazu die Weichen gestellt hatte. Während der Oberstufe auf dem Weg zum Abitur erfuhr sie von den Plänen der Regierung, Frauen für den Polizeidienst auszubilden.

Mein Vater war nicht begeistert von meinem Vorhaben“, schildert die Oberkommissarin seine Reaktion auf ihren Berufswunsch. Er sorgte sich um die Gesundheit seiner Tochter. Dennoch suchte sie den Einstellungsberater auf und fuhr gut informiert und vorbereitet zum Test nach Wiesbaden zur Polizeischule.

Neben einem Intelligenztest mussten die Damen auch ihre sportliche Fitness beweisen. Auf dem Programm standen u.a. 75-Meter Sprint, Ballweitwurf und Handstand abrollen. Elke Liebermann bestand im ersten Anlauf und trat mit 38 weiteren Bewerberinnen im Oktober 1981 ihre Ausbildung in Wiesbaden an.

Die Damen hatten Exotenstatus. Zur Uniform gehörte auch ein Rock und Absatzschuhe, die sich in der polizeilichen Praxis als wenig sinnvoll erwiesen. Die Frauen forderten die Einkleidung mit praktischer Bekleidung, so wie ihre männlichen Kollegen auch. Sie wollten beweisen, dass sie den Aufgaben des Polizeidienstes gewachsen waren, sowohl physisch als auch psychisch. Dazu nahmen sie u.a. an Polizeimärschen über 42 Kilometer teil.

Wir wollten ernst genommen werden, unsere Frau stehen, ohne etwas Besonderes zu sein“ berichtet die heute 60-Jährige rückblickend auf die damalige Zeit.

Nach zweieinhalb Jahren Ausbildung entließ man die Pionierinnen in den Polizeialltag der Polizeipräsidien. Elke Liebermann kam zum Streifendienst auf das 1. Polizeirevier in Frankfurt, bevor sie heimatnah nach Gießen zur heutigen Polizeistation Süd wechselte.

Im Januar 1990 besetzte sie als erste Frau eine Stelle auf der Einsatzzentrale im Polizeipräsidium Gießen, wo sie sechs Jahre lang als „Gisela“ (Rufname der Zentrale) die Streifen zu Einsätzen lenkte und Notrufe entgegennahm.

Danach arbeitete sie als Sachbearbeiterin in der Ermittlungsgruppe, kümmerte sich um häusliche Gewalt, Ladendiebstahl und auch um Jugendkriminalität. Sie war Sachbearbeiterin für Graffiti-Delikte und wirkte als Moderatorin bei der Umstrukturierung des Polizeipräsidiums Gießen zum Polizeipräsidium Mittelhessen als auch bei den Präventionsworkshops „Gewalt-Sehen-Helfen“ mit.

Als Praxisausbilderin gibt sie jungen Polizeianwärtern ihr Wissen und ihre Erfahrung weiter.

Zum 40-jährigen Jubiläum gab es ein Wiedersehen mit ihren damaligen Wegbegleiterinnen. Sie seien alle überzeugte Polizistinnen mit Herzblut, damals wie heute. In ganz Hessen seien sie verstreut und verrichteten ihren Dienst als Hundeführerin, Motorradfahrerin, Dienststellenleiterin, Dozentin auf der Polizeiakademie oder Sachbearbeiterin bei Schutz- und Kriminalpolizei.

Ich habe diese Berufswahl nie bereut und würde mich wieder so entscheiden!“ , konstatiert Polizeioberkommissarin Elke Liebermann-Weber heute.

Foto: „Frau der ersten Stunde“ bei der Polizei Hessen - Elke Liebermann-Weber 1981 und heute 2021

Foto: „Frau der ersten Stunde“ bei der Polizei Hessen Elke Liebermann-Weber 1981 und  2021 


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